Früher + Heute

Die Gründung
Der Wunsch nach einer ersten eigenen Wohnung führte 64 junge Leute am 17. Juni 1956 in das Geraer Klubhaus der Bergarbeiter. Sie gründeten dort die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft „Glück Auf“ Gera. Es war die Zeit der großen Wohnungsnot. Ziel der Genossenschaftsgründung war es, mit Eigeninitiative unter Bündelung aller Kräfte, Wohnungen für die Mitglieder und ihre Familien zu schaffen. Trägerbetrieb der „Glück Auf“ war die SDAG WISMUT. Sie hatte, wie auch andere Großbetriebe in dieser Zeit, ein Interesse an der Ansiedlung von Arbeitskräften und unterstütze die Bauvorhaben. Bei Eintritt in die Genossenschaft waren im Laufe von höchstens fünf Jahren Anteile in Höhe von 2.500,00 DM zu erbringen. Die Höhe der geleisteten Arbeitsstunden war entscheidend dafür, bei der Vergabe der neugebauten Wohnungen berücksichtigt zu werden.
Erste Bauvorhaben
Noch im Jahr 1956 wurde der Genossenschaft ein Baugrundstück an der Kurt-Keicher-Straße von der Stadt Gera zugewiesen. Mit Hacke und Schaufel machten sich die Genossenschafter daran, den Hang abzutragen und Baugruben auszuheben. Erst mit dem Einsatz von entsprechender Technik ging es schneller voran. Ab 1958 konnten die ersten 36 Wohnungen der „Glück Auf“ in der Kurt-Keicher-Straße bezogen werden. Noch heute wohnen hier einige der damaligen Erbauer. Die nächsten Neubauvorhaben folgten in der Herderstraße, Gagarinstraße und Berliner Straße.
Die Vereinigung mit der AWG der Bauarbeiter Gera
In einer Welle von Neugründungen von Genossenschaften entstand auch die AWG der Bauarbeiter Gera. Trägerbetrieb war der VEB Bau-UNION. Angeschlossen waren die Volksbildung und Handelseinrichtungen (KONSUM) in Gera. Baugebiet waren die am Galgenberg gelegenen Grundstücke entlang der Straße des Bergmanns. Die Vollversammlung der AWG beschloss am 10. Juni 1958 den Zusammenschluss mit der AWG „Glück Auf“. Deren Vorsitzender begründete diesen Schritt mit der gemeinsamen Nutzung vorhandener Technik und der Bündelung guter Fachkräfte. Mit diesem Schritt erhöhte sich die Mitgliederzahl der „Glück Auf“ um 144. Der Zusammenschluss erfolgte am 01. August 1958.
Die 60er Jahre
Ein Schwerpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung lag Anfang der 60-er Jahre im Aufbau des industriellen Wohnungsbaus. Typenprojekte wurden entwickelt, welche die Vorfertigung von Bauteilen in großen Stückzahlen ermöglichten. Angesichts der weiter anhaltenden Wohnungsnot war man mit der althergebrachten monolithischen Bauweise an Grenzen gestoßen. Der Wohnungstyp Q6 schaffte erstmals die Voraussetzungen für eine hohe Arbeitsproduktivität im Wohnungsbau. Wohnungsbaustandorte der „Glück Auf“ waren die Innenstadt (Reichsstraße und Anna-Schneider-Weg), der Bieblacher Hang und Debschwitz. Darüber hinaus wurde auch an Einzelstandorten, wie in der Zabelstraße und in der Levenstraße, gebaut. Dabei war das Erbringen von 1.000 Arbeitsstunden durch eine Familie für den Bezug einer 4-Raumwohnung keine Seltenheit. Heute sind diese gewaltigen manuellen und auch finanziellen Leistungen der Genossenschaftsmitglieder kaum vorstellbar.
Die 70er Jahre
Neben der Errichtung der Wohngebiete „Südstraße“ 1972 und „Pskower Straße“ 1975, lag der Schwerpunkt des Wohnungsbaus in Lusan. Am 28. April 1972 erfolge der symbolisch ste Spatenstich für Geras größtes Neubaugebiet. Die ersten der „Glück Auf“ übergebenen Häuser waren die beiden 11-Geschosser in der heutigen Weidenstraße. Manuelle Arbeitsleistungen wurden infolge der stark entwickelten Industrialisierung der Bauabläufe immer häufiger in Betrieben oder öffentlichen Einrichtungen (z. B. Tierpark und Pioniereisenbahn) erbracht. Der Wohnungsbestand der Genossenschaft erhöhte sich mit großem Tempo von Jahr zu Jahr. Ende 1979 zählte die „Glück Auf“ schon 4.036 Wohnungen. Davon befanden sich bereits 1.700 allein in Lusan. Diese waren am begehrtesten, denn es galt als ein Privileg, in eine fernbeheizte Wohnung einziehen zu können.
Die 80er Jahre
Aufgrund der staatlich geforderten Ausrichtung der gesamten Bauwirtschaft auf Neubaumaßnahmen, fehlten Kapazitäten für die Werterhaltung von Wohnungen. Die Altbausubstanz wurde vernachlässigt. Die Anzahl der Wohnungen, die aus baulichen Gründen leer standen, stieg von Jahr zu Jahr. Der Instandhaltungsbedarf stieg und berechtigte Reparaturanmeldungen konnten aufgrund fehlender Handwerker oder fehlendem Material oft nicht zeitnah ausgeführt werden. Initiativprogramme (z. B. „Dächer dicht“) und Verpflichtungserklärungen zu Ehren besonderer Anlässe (z. B. Parteitage) änderten daran nichts. Im August 1984 wurden der „Glück Auf“ die letzten Wohnungen in Lusan (Karl-Matthes-Straße 99 – 101) übergeben. Im April 1986 erfolgte die Grundsteinlegung für die Bebauung in Bieblach/Ost. Dem hohen Bautempo geschuldet, verschlechterte sich trotz des viel propagierten Slogans „Meine Hand für mein Produkt“ die Qualität der Bauausführung. Die letzten der „Glück Auf“ übergebenen Neubauten waren die Häuser in der heutigen Otto-Lummer-Straße. Der Wohnungsbestand war bis 1989 auf 5.798 Wohnungen angewachsen.
Die 90er Jahre
Mit der Wende änderte sich alles. Material und Arbeitskräftebeschaffung war kein Thema mehr, dafür waren allein die Finanzen das Maß aller Dinge. Durch den Wegfall staatlicher Subventionen brachte der Neubeginn nicht nur die willkommene Selbstbestimmung der Genossenschaft, sondern auch existentielle Fragen mit sich. Die stufenweise Anhebung des Mietniveaus schaffte die Voraussetzung für eine kostendeckende Bewirtschaftung des Wohnungsbestandes. Die Behandlung der zu DDR-Zeiten ausgereichten Wohnungsbaukredite wurde besonders heiß diskutiert. Diese so genannten „Altschulden“ wurden, unter der Voraussetzung der Privatisierung von Wohnungen, auf 150,00 DM je m2 Wohnfläche begrenzt. Wohnungsverkäufe erfolgten in den Folgejahren sowohl an Eigennutzer, als auch an die neu gegründete Wohngenossenschaft „Neuer Weg“. Neben Fragen der Grundstücksübertragung standen vor allem Sanierungs- und Instandhaltungsvorhaben im Vordergrund. Durch den damit verbundenen Wegfall der Kohleöfen war der Einbau einer modernen Heizung oft die wichtigste Ausstattungsverbesserung für die Bewohner.
Gegenwart und Zukunft
Der Wohnungsmarkt hatte sich bereits in den 90-er Jahren radikal verändert. Aufgrund der drastisch rückläufigen Bevölkerungsentwicklung erhöhte sich die Zahl leerstehender Wohnungen sprunghaft. Dies erfordert eine konsequente Entwicklung der auch künftig erfolgreich vermietbaren Bestände und den Abriss nicht mehr nachgefragten Wohnraums.
Beides – Aufwertung und Abriss – trägt nicht nur zum viel propagierten Stadtumbau, sondern zur erfolgreichen Unternehmenssanierung der „Glück Auf“ bei. Diese strategische Neuausrichtung der Unternehmensführung trägt bereits Früchte: die Anzahl der gut vermietbaren und sanierten Wohnungen hat sich seit 2002 mehr als verdoppelt. Der Leerstand ist stark zurückgegangen und die „Glück Auf“ freut sich über eine jährlich steigende Mitgliederzahl.
Wichtig ist dem Vorstand darüber hinaus die Entwicklung von Serviceangeboten „rund ums Wohnen“.
So bietet das 2004 gegründete Tochterunternehmen „Glück Auf“-Wohnservice GmbH hauswirtschaftliche Dienstleistungen auch für Dritte an. Moderne, komplett eingerichtete Gästewohnungen stehen den Mitgliedern zur Verfügung, wenn Besuch untergebracht werden soll. Eingezahlte Genossenschaftsanteile werden seit 2003 attraktiv verzinst.
Zahlreiche Vorteile und Angebote wurden geschaffen, weitere werden kommen. Die Zufriedenheit der Mitglieder und die zukunftsfähige Ausrichtung der Genossenschaft sind die wichtigsten Unternehmensziele für eine weitere erfolgreiche Entwicklung.






















